Methoden im Orgelunterricht
Aufwärmen
-
Mit kleinen technischen Übungen können im Call-Recall-Verfahren zwischen Lehrperson und Schüler:in Finger und Füße aufgewärmt, und die Motorik trainiert werden.
-
Rhythmus auf einem Ton spielen und dazu sprechen oder eine Frage formulieren.
-
…Kleine Drei-Tonfolgen.
-
…Tonfolgen spielen und dazu die Tonnamen sprechen.
-
…Tonfolgen blind nachspielen (nach Gehör).
-
-
Beim „Musikhaus“ berühren sich die Fingerspitzen beider Hände und einzelne Finger werden nach außen bewegt, um als „Fenster“ aufgemacht zu werden. Das „Dach“ ist rund, so dass die Fingerbewegung der Bewegung auf der Taste entspricht, ohne deren Gewicht zu haben.
-
Ein ritualisierter Begrüßungsspruch gibt die Sitzposition und Körperhaltung vor.
-
Der rechte Fuß liegt auf dem e, der linke auf dem c. Die Lehrperson nennt nun einen beliebigen Ton und bestimmt, mit welchem Fuß er gespielt wird; der/die Schüler:in erfühlt ihn mit geschlossenen Augen.
Vorbereitung des Stücks
-
Motive im Notenbild erkennen: Wo geht es hoch / runter? Wo ist ein Sprung / Schritt? Wie groß ist der Sprung? usw. Dies wird dann eingezeichnet mit zuvor festgelegten Motiven, z.B. die entsprechende Zahl für die Intervallgröße.
-
Notenlinien (Schnüre, Kreppband o.ä.) werden auf den Boden gelegt und das Stück wird vom/von dem/der Schüler:in gegangen bzw. gesprungen (bei Intervallen). Dabei kann die Lehrperson das Stück auf der Orgel mitspielen.
-
Um einen rhythmischen Zugang zum Stück zu bekommen, wird der Rhythmus in der Originalaufteilung geklopft (rechte / linke Hand: auf die Oberschenkel klopfen, Füße: auf den Boden tippen).
-
Die Hand des/der Schüler:in wird umrandet und jeder Finger einer Farbe zugeordnet. Die Töne des Stückes werden mit der gleichen Farbe markiert.
-
Wenn das Stück über die 5-Ton-Lage hinausgeht, sollte die Veränderung der Handlage jeweils genau notiert werden, z.B. mit einem Pfeil in die Richtung und der entsprechenden neuen Fingerzahl. Dies sollte musikalisch sinnvoll mit einem Phrasenende oder einer Tonrepetition geschehen.
-
Das mentale Üben erfordert viel Konzentration. Der Vorteil davon ist, dass die Vorstellungskraft trainiert werden kann, unabhängig davon, ob die Muskeln und die Koordination schon bereit sind. Es bietet sich an, zunächst immer nur einen Takt auswendig zu lernen und dann auf der Orgel zu spielen. Die Noten können dabei an einem anderen Ort liegen oder von der Lehrkraft zugehalten werden.
-
Eine ähnliche Methode lässt sich auch direkt am Spieltisch anwenden: Der jeweils nächste Ton, Akkord oder Takt wird zunächst innerlich in Bezug auf Klang und Handbewegung vorbereitet und anschließend unmittelbar korrekt gespielt. Dies fördert die Handhaltung (durch entspanntes Arbeiten ohne Kraftimpulse), die Vorstellungskraft, die Konzentration sowie ein fehlerfreies Spiel und unterstützt ein nachhaltiges Einprägen der Noten. Aufgrund der hohen Konzentrationsanforderung sollte diese Übung jedoch nur in kurzen Einheiten durchgeführt werden.
-
Darauf aufbauend kann auch das ganze Stück auf dem Tisch oder der Orgelbank gespielt werden, um Koordination und Bewegung unabhängig vom Tastendruck zu trainieren.
-
Bei einer besonders heiklen Stelle wird sukzessive von einem einzigen Ton bei jedem Durchgang ein Ton davor, ein Ton danach, wieder ein Ton davor usw. dazugenommen. So wird die Stelle progressiv aufgebaut, oft wiederholt und dadurch sicher.
Das Stück als Spiel
-
Taktweise oder motivweise wird zwischen Lehrperson und Schüler*in gewechselt.
-
Über den Titel des Stückes wird eine eigene Improvisation gespielt, und anschließend überlegt, wie diese Improvisation mit dem notierten Stück verbunden werden kann.
-
Die Lehrperson spielt einen Takt vor und der/die Schüler:in errät, um welchen Takt es sich handelt. Anschließend spielt der/die Schüler:in und die Lehrperson rät.
-
Das ganze Stück wird stumm gespielt (dies kann als „Luftorgel“, auf einem Tisch oder mit ausgeschalteten Registern geschehen). Nun werden nach und nach ausgewählte Teile des Stückes „zum Leben erweckt“ und erklingen mit Tönen.
-
Der Rhythmus (oder die Tonhöhen) eines Stückes werden auseinandergeschnitten und wie ein Puzzle wieder zusammengesetzt. Dabei können auch andere Abfolgen entstehen.
-
Die Noten einer Tonhöhe werden jeweils in der gleichen Farbe angemalt. Dann werden Regeln aufgestellt wie: „Nur bei Rot spielen, den Rest singen“ oder: „Nur bei Rot und Blau...“ usw. So kann das Stück Schritt für Schritt entdeckt werden.
-
Das Stück wird als Geschichte erzählt und die Parameter entsprechend verändert. So erklingt das Stück mehrmals hintereinander, jeweils mit einer neuen Hintergrund-Geschichte (z.B.: ein Elefant erscheint = alle Notenwerte werden augmentiert oder eine Passage verwandelt sich als flinke Maus = schnell gespielt).
-
Dem Stück können verschiedene Enden gegeben werden, z.B. ein trauriges und ein glückliches Ende, das mit einem entsprechenden Text unterlegt wird. Auf diese Weise können beliebige Wiederholungen entstehen, und erste Kompositionsschritte gegangen werden.
-
Zunächst werden die Tonnamen unmittelbar vor dem Spielen gesprochen und dann direkt gespielt. Dadurch ist die Vorbereitung konzentriert. Es kann auch eine Geschichte mit den Tonnamen als Anfangsbuchstaben erfunden werden.
-
Um Variationen zu einer Stelle (um sie zu festigen) oder einem ganzen Stück zu erstellen, wird zunächst ein Strichmännchen (oder ein anderes Objekt) gemalt, das anschließend variiert wird. Anschließend wird gemeinsam überlegt, wie diese Zeichnungen in die Musik übertragen werden können. Das kann bei Improvisation und Literatur eingesetzt werden.
Das Üben lernen / Hausaufgaben
-
Für eine positive Lernatmosphäre ist es sehr wichtig, dass die Lehrkraft keine allgemein wertenden Aussagen über den Lernenden macht, sondern Sätze formuliert wie: „Dein Finger hat hier noch nicht den richtigen Weg gemacht. Wie können wir ihm das beibringen?“ Dabei bilden Lehrperson und Schüler:in gemeinsam ein Team und es werden Anregungen für eine eigenständige Kontrolle gegeben.
-
Um bestimmte Passagen eines Stückes zu verbessern eignet es sich, verschiedene Varianten vorzuspielen, begleitet von der Frage: „Welche klingt schöner?“ So ist der/die Schüler:in aufgefordert zuzuhören und eine Ästhetik zu entwickeln. Die Lehrperson erklärt dann, wie dies umgesetzt werden kann. („Ich gebe dir einen Tipp, wie du dein Ziel erreichen kannst.“)
-
Der/die Schüler:in wird selbst gefragt, wie viele Punkte er/sie sich für das Spiel geben würde. Anschließend wird besprochen warum. Dadurch können Lehrkraft und Schüler:in gemeinsam überlegen, wie man den Fingern (der Konzentration, den Füßen, ...) noch helfen kann, um es besser zu machen. Der/die Schüler:in lernt somit sich zuzuhören und das Spiel zu analysieren.
-
Die „Hausaufgaben“ werden nicht als Übungen aufgegeben, sondern als Motivation, etwas zu spielen, etwas auszuprobieren, ein neues Motiv zu suchen etc. Zunächst dienen Hausaufgaben dazu, sich mit dem Unterrichtsthema zu beschäftigen. Später dienen sie der Wiederholung des im Unterricht Gelernten. Erst wenn ein sicherer Zugang zum Thema entstanden ist und Routine vorhanden ist, können (und müssen) Hausaufgaben auch eine eigene Erarbeitung miteinschließen.
-
Mit der Checkliste „Auf was höre ich heute?“ kann die rotierende Aufmerksamkeit trainiert werden.
-
Vor Beginn jedes Stücks ist es wichtig, eine ritualisierte Vorbereitung durchzuführen, damit der Spieler mental und physisch vorbereitet ist. (siehe „Vorbereitung für mein Stück“)
-
Die „Übebausteine“ können nach dem Kennenlernen im Unterricht auch selbstständig zu Hause angewendet werden. Sie sollten neben dem Übeinstrument platziert werden und als Ideen für das Üben dienen.